2. Tag
Syvota/Mourtos - Plataria


Monika ist in ihrem Element, hat schon früh die Pantry belegt - bereitet das Frühstück vor.
Die Vorabendgläser werden gespült und verstaut.



Andreas, Rosmarie, und Xaver legen leise vom Anlegeplatz ab, lösen zuerst die Heck-,
dann die Bugleine.
Andreas steht an Land, löst auch die letzte Festmacherleine, stößt das Boot
von Land ab und springt über
- an Bord.
Unter Motor steuert  Andreas, zum ersten Mal am Ruder, das Boot sicher aus dem Hafen.

Nach kurzer Zeit wird der Motor abgestellt.
Xaver nimmt ein Morgenbad im Meer und die Chartercrew das
erste Frühstück an Bord zu sich.

 

Leider können wir auf diesem Boot nicht oben im Cockpit essen,

dort gibt es nur einen Mini-Tisch für 2 Personen - schade.
Von den bei früheren Törn's gecharterten "Sun Odyssey's" sind wir mit viel Platz verwöhnt.
Also eine
Woche frühstücken ohne frische Morgenluft und dem Ausblick auf die Umgebung.
Der Skipper bereitet uns gebratenen Speck und Spiegeleier. Die Eier hat er von der "Eierbaronin"
aus seinem
Landdomizil - schmecken wirklich hervorragend. Eier von glücklichen Hühnern,
der Dotter ist fast rot.
Eine selbstgemachte Erdbeermarmelade, die nicht nach Erdbeeren schmeckt,
findet keine Abnehmer.

Absolute Windstille, also wird der Motor wird angestellt. An Deck werden die Leinen aufgeschossen,
Fender am
Heckkorb befestigt und Rosmarie fährt Kurs 120° ohne Kompass,
mit der "Unterwassergenua",
Richtung Syvota Inseln - Mourtos.
"Kompass brauchen wir nicht", grummelt der Skipper unfreundlich in seinen 3-Tagebart,
als Rosmarie die
Abdeckhaube öffnen will. Uns kann es egal sein, aber der Ton macht die Musik!
Der Kompass bleibt
auf dem ganzen Segeltörn, schön abgedeckt unter der Schutzhaube
- vielleicht funktioniert er auch nicht.

 

 

Also hält sich Rosmarie an die angewiesene Bergspitze weit, weit weg am Festland, eingehüllt in die
diesige Morgenluft. Der Rest der Crew verteilt sich auf dem Schiff.
Der Skipper und seine Partnerin, die nur die Überfahrt nach Syvota mitmacht, versuchen den
Crewmitgliedern
ihr vorbereitetes Mittagessen schmackhaft zu machen -
Gänsekeule mit Blaukraut und Knödel.
Jeder lehnt nach dem ausgiebigen Frühstück ab.
Die Beiden wärmen sich das vielgelobte Essen in der Kombüse

- riechen tut es gut - und lassen sich ihr Frühstückmittagessen schmecken.
Die Sonne strahlt vom Himmel, nördlich begleitet von einer riesigen Wolkendecke.
Das Wasser wirkt wie ein Ölteppich, nur bewegt durch die vom Boot verursachten Wellen.
Uns begegnen einigen Fischerboote, die Netze nachschleppen.
Der Skipper hat auch zwei Angelleinen ausgeworfen und hofft auf einen Fang.
Andreas wird in Knotenübungen eingewiesen und das ist für die nächste Zeit eine
Hauptbeschäftigung an Bord.
Jeder macht mit, auch die, die meinen sie können es.
Mancher verzweifelt an einem Knoten, andere machen diese im Schlaf.
Leichter Wind kommt auf und abwechselnd stehen Rosmarie - Klaus und Andreas am Ruder -
unter Segel.
Durch die jahrelange Erfahrung mit Wind und Segel ist der Skipper zu einem
Segelflüsterer geworden, der die
geringsten Windstärken optimal zu Nutzen versteht - toll!
Das Boot ist sicherlich mit einem besonderen Kiel ausgestattet, denn der Skipper stellt die Segel
optimal zum Wind, sodass das Boot den Kurs hält, ohne das der Rudergänger das Ruder

korrigieren muß. Andere Boote sind da bedeutend luvgieriger und würden ohne Rudereinwirkung
in den Wind
schießen - also in den Wind hineinfahren, den Vortrieb verlieren und stehen bleiben.

 

Weit vor dem Hafen von Syvota sagt Xaver zu Rosmarie+Dieter sie sollen endlich mal den
Fotoapparat weglegen,
so viel braucht man doch nicht fotografieren!? - was hat er für Probleme?
Xaver läßt es sich natürlich nicht nehmen unter Segel in den Hafen von Syvota einzulaufen -
warum hat er nicht
unter Segel angelegt?

 
Jeder wurde vorher, zum Anlegemanöver, genau eingewiesen, was er zu tun hatte.

Klaus bedient den Anker, Andreas macht den Landspringer, Rosmarie läßt im richtigen Moment
die Gangway an
Land fallen, damit Andreas an Land zuerst den Festmacher an Backbord
und dann Steuerbord annehmen kann,

über den Poller legt und die Leine wieder nacheinander an Bord zurück gibt,
wo sie auf den Klampen belegt werden. Für das erste Anlegemanöver, hat alles gut geklappt.
Unsere Vercharterer verlassen das Boot, um die Crew beim Hafenmeister anzumelden und die
Gebühr zu zahlen
- Gesamtkosten 2,75 EUR.

 

 

 

 

 

Wie wollen die Griechen auf die Beine kommen bei diesen "enormen" Anmeldegebühren.
Das Durchschreibe-Formular kosten ja mehr als die erhobene Gebühr!?
Dieter + Rosmarie entsorgen an Land die Mülltüten in die bereitstehenden Container,
sehen sich die Gegend an und machen einige Foto's.
Bei der Rückkehr treffen sie auf den Rest der Crew in einem Cafe vor unserem Liegeplatz. Ein kühler Drink,
dann wird wieder abgelegt mit Ziel Badebucht. In der ca. 1 Seemeile  entfernten Badebucht,
mit herrlich klarem türkisfarbenen Wasser, genießen alle den Badestop für eine Abkühlung.
Der Skipper verschwindet in der Kombüse und kurze Zeit spätersteigt ein angenehmer Essensgeruch
nach oben. Er hat Gulasch aus eigener Schweineschlachtung zubereitet.
Dazu Nudeln, Tomaten mit Mozzarella, was allen sehr gut geschmeckte.
SIESTA, es herrscht Ruhe an Bord. Rosmarie + Monika machen leise den Abwasch.
Der Skipper schläft im Salon, kurz darauf - Anker auf, Kursziel Plataria, dem Wohnsitz unserer Charter-Gastgeber.

In ihr gemietetes Haus sind die Crewmitglieder eingeladen - auf Kosten der Bordkasse. Die Beiden lassen die
Crew 2 Stunden allein und holen uns dann mit ihrem VW-Pickup. Dieter darf im Fahrerhaus einsteigen,
die Anderen nehmen auf der offenen Ladefläche Platz.
Die abenteuerliche Fahrt, die in Deutschland nicht einmal die nächste Straßenkreuzung erreicht hätte,
beginnt um 18.00 Uhr. Für Rosmarie, Monika, Klaus und Andreas ist die Fahrt auf der Ladefläche
ungemütlich und abenteuerlich.
Nicht abzuschätzen, was im Falle eines "Falles" passieren könnte. Der Skipper hatte darauf aufmerksam
gemacht, dass irgendwann ein großer Brombeerstrauch kommt, da sollten sie aufpassen.
Er hätte es nicht mehr geschafft den Teil, der über die Fahrbahn ragt abzuschneiden.
Warmer Wind weht den Vieren um die Nase, immer mit einem Auge auf den noch zu erwarten Brombeerstrauch.
Sie fahren immer höher einen Berg mit Weinstöcken, Gemüsefeldern und Obsthainen hinauf.
Bei einem kurzen Stop bekommt Rosmarie die Order einen Rosmarinzweig für das Abendessen abzubrechen.
Die Fahrt geht holprig weiter, da ragt auf einem Feldweg ein langer dorniger Zweig über
die Fahrbahn, der Skipper hält kurz an, ruft zum Fenster hinaus: "Jetzt kommen Dornen."
Keiner der Freiluftladeflächensitzer versteht was los ist.
Bei der Weiterfahrt schleift der Zweig am Fahrerhaus vorbei, schlägt dann heftig über die Ladefläche und trifft
Klaus ins zur Seite gedrehte Gesicht. Klaus blutete an einigen Stellen im Gesicht, Hals, Ohr und der Hand,
mit der er im letzten Moment größere Gesichtsverletzungen verhindern konnte.
Ein Glück, dass er Brillenträger ist, und somit die  Augen verschont blieben. Immernoch geschockt
von dem Geschehenen erreichen wir das gemietete Häuschen mit dem kleinen Hausgarten.
Von einer bedauernden Entschuldigung an Klaus, der mit Papiertaschentüchern versucht die blutenden
Wunden zu stillen, habe ich nichts mitbekommen.
Zum wiederholten Male bedauere ich jetzt, am erst zweiten Tag, dass wir nicht,
trotz meiner Schulterbeschwerden, selber gefahren sind.

Unterhalb des kleinen Hausgartens, die "Schweinezuchtstation", in dem ein Schwein die letzte Schlachtung durch geschickte
Flucht überlebt hat. Es grunzt nun die Neuankömmlinge an.
Die Gastgeber haben einige Umbauarbeiten an ihrem Miethaus
durchgeführt.
Dusche mit Toilette und Waschraum im Außenbereich, schön und zweckmäßig gemauert,
ein kleines
Steinbackhaus und das Nebenhaus-Dach neu gedeckt.
Wie uns erzählt wurde, ist dafür auf längere Zeit die Miete erlassen. Eine mit Weintrauben behangene Pergola
schützt den Essensbereich mit dem bereits gedeckten Tisch vor der Abendsonne.
Die Crew wird mit erfrischenden Getränken versorgt. Der entzündete Kohlegrill wird nach einiger Zeit mit
Hühnerfleisch belegt, dazu kommt grüner Salat, Kraut, Karotten-Salat, Brot, RosÈ, Wasser und Bier auf den Tisch.
Auch der Gastgeber trinkt Wein - zu viel??
Große Bedenken kommen auf, denn er ist der Fahrer zum Schiff. Die Gastgeber meinen, der Pickup kennt den
Weg schon alleine, der Fahrer alle Schleichwege und es sei noch nie etwas passiert - sehr beruhigend.
Die Crew will zu Fuß zum Schiff zu gehen. Keiner setzt sich richtig durch.

So fahren wir mit Bedenken in's Tal zum Boot zurück. Je mehr Dieter ihn zum Langsamfahren ermahnte,
desto schneller fuhr er. Um ihn nicht noch mehr Anlaß zu geben, schneller zu fahren, schwieg er.

Auf der Ladefläche wurden die vier Anderen ganz schön durchgeschüttelt.Der abendliche Fahrtwind war zwar
angenehm, aber die Knochen spürten die Stoßdämpfer des 25 Jahre
alten Pickup.
Heil sind wir im Hafen, am Boot angelangt.

Unser Fahrer verabschiedete sich, um die Nacht zu hause, im eigenen Bett zu verbringen. Die Durchgeschüttelten
genehmigten sich noch einen Erholungsschluck. Nachdenklich, hing jeder den Eindrücken und Erlebtem der
vergangenen Stunden nach und äußerte sich auch dazu - na ja, ist ja gut gegangen.
Keiner hatte bei der ganzen Fahrt ein gutes Gefühl.